Handel

Tarifverhandlungen vertagt!

Tarifrunden Handel 2021

Tarifverhandlungen vertagt!

Tarifrunde Groß- und Außenhandel Berlin-Brandenburg
Ohne uns kein Geschäft! Kampagnenlogo auf einer Warnweste beim Streik Helmut Roos Ohne uns kein Geschäft!  – Ta­rifrun­den Han­del 2021


Am 30. Juni 2021 fand die zweite Tarifverhandlungsrunde für die rund 64.000 Beschäftigten im allgemeinen Groß- und Außenhandel in Berlin und Brandenburg statt. Die Gespräche sind ergebnislos geblieben und wurden auf den 29. Juli 2021 vertagt.

„Das heute vorgelegte und etwas verbesserte Angebot der Arbeitgeber ist leider nach wie vor sehr weit von den Forderungen der Gewerkschaft entfernt und nicht akzeptabel. Auf dieser Grundlage ist ein Tarifabschluss nicht möglich“, sagte ver.di-Verhandlungsführerin Franziska Foullong.

ver.di fordert eine tabellenwirksame Erhöhung von Löhnen, Gehältern und Ausbildungsvergütungen um 6 Prozent, mindestens aber um 150, beziehungsweise 70 Euro, ein rentenfestes Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde und eine gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlicherklärung der Tarifverträge.

Die Arbeitgeber haben hingegen angeboten, nur für Beschäftigte aus „wirtschaftlich gesunden“ Unternehmen eine tabellenwirksame Entgelterhöhung erst ab September 2021 von lediglich 1,5 Prozent und eine Einmalzahlung von 150 Euro zu vereinbaren. Unternehmen, die sich nicht als wirtschaftlich gesund bezeichnen, sollen nach Vorstellung der Arbeitgeber die Möglichkeit erhalten, die Erhöhung erst später zu zahlen. Diese Differenzierung im Tarifvertrag lehnt ver.di ab, da die Entscheidungen auf Grundlage unklarer Faktoren getroffen werden soll.

Aber auch für die wirtschaftlich starken Unternehmen bieten die Arbeitgeber so geringe Erhöhungen an, dass die Beschäftigten in diesem Falle Reallohnverluste hinnehmen müssten. Die Branche hat insgesamt ein Umsatzwachstum von 1,8 Prozent im letzten Jahr erwirtschaftet, im Lebensmittelbereich sogar bis zu 5,2 Prozent und im Pharmabereich sogar bis zu 5,4 Prozent.

„In dem ver.di-Flächentarifvertrag werden wir deshalb keine Differenzierung von Beschäftigten zulassen. Hier finden sich die vor einem Jahr viel beklatschten Beschäftigten wieder, die jeden Tag die Lebensmittel für die Einzelhandelsfilialen kommissionierten oder den heute so dringend benötigten Impfstoff an die Arztpraxen liefern. Die Beschäftigten in Berlin und Brandenburg zeigten durch mehrere Streikaktionen in den letzten Wochen deutlich, welche Erwartungshaltung sie haben: Sie wollen einen Tarifabschluss, der ihre besondere Leistung würdigt und der ihnen ein faires Stück vom Kuchen abgibt. Die Umsätze der Unternehmen in der Branche lassen das zu. Die Rechnungen der Beschäftigten, die den Unternehmen die Umsatzzuwächse erst ermöglichen, werden nicht weniger, die Lebenshaltungskosten nicht niedriger“, so Franziska Foullong.

Die Verhandlungen werden am 29. Juli 2021 fortgesetzt.